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Stoffgewicht

Stoffgewicht

Das Stoffgewicht ist ein Qualitätsmerkmal für Jeans

Das Stoffgewicht, bzw. das Flächengewicht einer Jeans wird gewöhnlich in Unzen (engl. ounzes = oz) pro square yard angegeben. Je höher dieses Flächengewicht, desto dicker und schwerer ist eine Jeans. Beispielsweise hätte eine Jeans mit 12 oz/square yard ein Gewicht von 12 x 28,35 g / 0,8361 m² = 407 g/m². Bei einer Jeans in der Größe W33/L34 mit 12 oz sind das ungefähr 700 g, je nachdem was noch an Metall in Form von Knöpfen dazukommt. Eine Durchschnittsjeans wiegt also ungefähr 700 g, kann aber auch über 1 kg wiegen.

Einfluss auf die Jeans-Qualität:

Jeans mit einem höheren Stoffgewicht haben generell auch eine längere Lebensdauer. Allerdings ist dies auch abhängig von der Stoffqualität. Gerade bei Billigjeans merkt man, dass sich das Material sehr dünn anfühlt und meist zu 100 % aus Baumwolle besteht. Das Stoffgewicht wird hier meist nicht mit angegeben. Diese Jeans haben meist eine sehr geringe Lebensdauer, da Elastan fehlt und die Baumwolle und Stoffqualität billig ist. Bei den Markenjeans wird bei einem geringen Stoffgewicht häufig Elastan beigemischt, um die Jeans dehnbarer zu machen, was zudem die Lebensdauer der Jeans erhöht. Generell gilt aber, je dicker der Stoff desto länger dauert es, bis eine Jeans durchscheuert.

      

Die Geschichte zum Stoffgewicht

Die Dichte bestimmt das Gewicht des Stoffes. Baumwollqualität, Garnstärke, Materialzusammensetzung und Webtechnik stellen die Weichen für die Produktion von perfektem Denim. 

Qualität und Herkunft

Es beginnt mit der Baumwolle, aus der das Garn hergestellt wird. Die Premium-Sorten sind Sea Island Cotton aus den USA, Mako-Baumwolle (Giza 88) aus Ägypten und Pima-Cotton aus Peru. Japanische Jeans-Hersteller bevorzugen Baumwolle aus Simbabwe. Die Qualität wird primär nach der Faserlänge festgelegt. Baumwolle benötigt warme Temperaturen und viel Wasser, um sich bestens zu entwickeln. Sie wird weltweit an den Rohstoffbörsen gehandelt und unterliegt so dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. 2010 lag der Preis pro 500 Gramm bei 85,8 Cent und verzeichnete steigende Tendenz. 2012 erreichte er mit 99,26 Cent ein Hoch. Dann setzte eine Abwärtsentwicklung ein. Stand 2015 lag er gerade einmal bei 58,26 Cent. Für Länder wie Ägypten, Peru und Simbabwe ist Baumwolle als Exportgut von größter Bedeutung. Die USA versorgen mit der Baumwolle aus dem Cotton-Belt, zu dem auch die hochwertige Orleans-Baumwolle gehört, primär den nordamerikanischen Markt und bedienen die traditionellen Jeans-Schmieden wie Levi's. Allerdings führen bereits Produkte mit 50 % Baumwollanteil aus US-amerikanischer Herkunft das Gütesiegel Cotton USA.

Denim und Jean(s)

Der coole Blaue trug einst den Namen „Serge de Nimes“ und wurde in der französischen Stadt Nimes als glatter Baumwollstoff produziert. In seiner ursprünglichen Form war er ein Stoff mit unbehandelter Oberfläche, steifem Griff und von unscheinbarer Farbe in leichtem Grau. In der Modewelt heißt der Farbton ecru. Seine variantenreichen Blautöne erhielt der Stoff durch die Färbung mit Indigofera, dem Extrakt einer Pflanze. Baumwollstoffe zeichnen sich durch große Belastbarkeit und Langlebigkeit aus. Der Bedarf an strapazierfähigem Material wuchs und die Webereien in Italien (Genua), England (Manchester) und Deutschland (früher Schlesien und Lausitz) deckten ihn. Den Genueser Stoffen schreibt die Geschichte den Ursprung des Begriffes Jeans zu. In den USA wurde aus dem „Serge de Nimes“ das Denim, während der Stoff aus Genua zu „Jean“(s) wurde.

14 oz sind das Maß 

Die große Stunde der universellen Hose schlug 1850 in San Francisco. Damals wurde die erste LEvi 's (mit großem E!) mit einer Materialdichte von 14 oz pro Square Yard gewebt und mit Nieten ausgestattet. In den USA und England verfuhr man nicht nach dem metrischen System. Diese Jeans setzte neue Maßstäbe. Das Hauptquartier von Levi's in der Battery Street von San Francisco ist heute noch der Hüter dieser ursprünglichen Hose. Die 14 oz Gewicht pro Square Yard sind der Scheitelpunkt zwischen leichter und schwerer Ware. Ab 14 oz zählt eine Jeans zu den Schwergewichten, den „heavyweight denims“, meist aus 100 % Baumwolle. Das Stoffgewicht von 14 oz pro Square Yard ist zu jeder Jahreszeit tragbar. Baumwolle wärmt im Winter und kühlt in den warmen Monaten. Sie nimmt problemlos Schweiß auf und ist selbst ist im nassen Zustand widerstandsfähig. 

Garnstärke und Webart

Die Qualität der Baumwolle bestimmt ebenfalls das Gewicht. Hinzu kommen die Garnstärke und die Webart. Ring Denim zeigt eine unebene Oberfläche. Kette und Schuss haben unterschiedliche Farben und er wird diagonal gewebt. Reverse Denim besteht aus linksseitig verarbeitetem Material. Baumwolle und Garne waren von jeher Handelsgüter. Daher ergab sich die Notwendigkeit, sie zu wiegen und zu messen. Die Garnstärke wurde in verschiedenen Systemen erfasst. „Number englisch“ (Ne) bemisst die Garnstärke von einem Gramm Baumwolle mit 1,6934 Metern. Weniger gebräuchlich war „Number french“ (Nf) mit der Maßangabe von 1.000 Meter Garn entspricht 500 Gramm Baumwolle (2 Meter entsprechen 1 Gramm). Die Abweichung resultiert aus der Tatsache, dass Baumwolle ein Naturprodukt von sehr unterschiedlicher Faserlänge ist und die Mechanik der Webstühle in England und Frankreich von ebenfalls unterschiedlicher Ausrichtung waren. 1811 machte das Eriometer das Vermessen von Wolle, Fasern und Garnen möglich. Abgelöst wurde es vom Lanameter. Letzteres ist in der Lage, den mittleren Faserdurchmesser zu ermitteln. 

Technologie und Tradition

Der große Könner unter den historischen Webmaschinen ist die Schützenwebmaschine. Der Schütze entspricht bei einem Handwebstuhl dem Weberschiffchen und transportiert die waagerechte Faser hin und her. Trotz technologischer Vervollkommnung des Webprozesses, unter Ausnutzung von gasförmigen und flüssigen Stoffen, werden Schützenwebmaschinen heute noch genutzt. Besonders hochwertige Produkte mit eher urwüchsigem Charakter werden auf ihnen hergestellt. Das Webergebnis trägt eine individuelle Handschrift. Die Schützenwebmaschine ist in der Lage Stoffdichten von bis zu 33 oz pro Square Yard zu verweben. Diese extrem hohe Stoffdichte findet sich bei Jeans aus Japan-Denim. Die Liebhaber dieser Jeans schätzen besonders die raue Oberfläche des Stoffes und pflegen alte Rituale wie das „Shrink to fit“. Dabei wird eine neue Jeans im nassen Zustand angezogen, um am Körper zu trocknen. Die Hose passt sich so nahtlos dem Körper an. Andere waschen ihre Neuerwerbung in den ersten Monaten des Tragens nicht. Die Jeans nimmt während dieser Zeit die ganz individuellen Gebrauchsspuren an und verbringt gelegentlich eine desinfizierende Nacht im Tiefkühlfach. Maschinenwäsche und Trockner sind verpönt.

Baumwolle plus High-Tech-Faser

Die magische Wolle lässt sich durch die Beimischung moderner Garne auch in den weichen Bereich von 10 bis 12 oz verarbeiten. 98 Prozent Cotton mit 2 Prozent Elasthan gemischt, ergibt ein geschmeidiges Endprodukt. Die Gebrauchseigenschaften beider Zutaten addieren sich zu einer neuen Qualität. Während Puristen auf 100 Prozent Baumwolle schwören, schätzt der Rest der modischen Welt durchaus Jeans mit High-Tech-Fasern. Immer seltener findet sich in den Produktinformationen der Hinweis auf die Stoffdichte. Die Anprobe ist beim Kauf ohnehin angesagt und dabei ergibt sich ganz von selbst die Möglichkeit, das gute Stück in die Hand zu nehmen. Ganz gleich ob Sie sich für ein Leichtgewicht von 10 oz, einen Klassiker von 14 oz oder ein Schwergewicht von 20 oz entscheiden: Sie liegen mit der neuen Jeans immer richtig. 

              

Quelle: www.jeans-manufaktur.de/jeans-blog/die-bedeutung-des-stoffgewichts-fuer-jeans; Autor: Pascal Leinfelder